Brahms und Santana ganz nah

"Thirty Fingers" vereint Rock, Jazz und Klassik auf sehr gekonnte Art

von Christiane Krause

Joe Völker am Klavier, Lokalmatador Peter Götzmann am Schlagzeug und die Sängerin ist eine Querflöte. Genauso wollte es scheinen, als Petra Erdtmann in der Gaggenauer Kleinkunstbühne mit virtuosem Spiel die gekonnte Verbindung zwischen den beiden vorerwähnten Instrumenten, zwischen Rock und Klassik, herstellte.

"Thirty Fingers" nennt sich das Trio, das auf ganz wundervolle Art Klassik verjazzt, dem Jazz ein bisschen Mozart und Co verordnet und einfach nur Spaß macht. Denn nie waren die beiden — oft nicht ganz leicht verdaulichen — Stilrichtungen so gut zu konsumieren, rutschte Beethovens "Wuth über den verlorenen Groschen" so schnell runter und waren sich Brahms und Santana Santana so nah, wie bei "Thirty Fingers", die anatomisch gesehen in Wirklichkeit zwar auch nur über 24 Finger und sechs Daumen verfügen.

Doch damit beherrschen sie ihre Instrumente so unglaublich gut, dass es nicht weiter Wunder nähme, wenn die Erdtmann-Götzmann-Völker-Hände einiges mehr an Gliedmaßen zu bieten hätten, als nur einen schlichten Standardsatz. Das zumindest wäre eine logische Erklärung für das Tempo, welches das Trio mit beeindruckender Leichtigkeit und unübersehbarer Spielfreude angeht.

Die eigene Erklärung der Band zeigt, dass hier keine anatomischen, sondern künstlerische Ausnahmetalente am Werk sind. "Wir spielen sogenannte ernste Musik sehr unernst. In der gesamten Musikgeschichte stilistisch zuhause, von Frühbarock bis Modern Jazz, nehmen wir die Werke alter· Meister fröhlich auseinander: So wie Kinder ein Spielzeug erkunden, um zu sehen, was noch alles darin steckt. Und wenn wir die Teile anschließend zu einem neuen Hörerlebnis zusammenfügen, geschieht das mit Respekt, sogar Liebe, aber ohne übertriebene Ehrfurcht."

Da huldigen sie einmal dem jüngst verstorbenen Dave Brubeck mit dessen "Blue rondo a la turk" und machen ihn zugleich ein klein wenig klassischer, während Bach, Beethoven und Schostakowitsch mit abwechslungsreichen und stets sehr einfühlsamen Schlagwerk-Einspielungen richtig rockig daherkommen. 

Auf jeden Fall aber haben es die drei drauf und überzeugen sehr schnell davon, dass sich der Abend im klag, bei dem sie unter anderem ihre neue CD vorstellten, eine extrem lohnenswerte Sache ist, wenn man denn auf diese sehr melodiösen, frischen, mitreißenden Adaptionen steht.

Eine unwiderstehliche Mixtur, der man sich nur schwerlich entziehen kann, Frühling, der nach Vivaldi schmeckt und Morgenstimmung, die nach Peer Gynt schreit. Was "Thirty Fingers" bei diesem Konzert im klag geboten haben, war erste Klangsahne, war ganz groß, so groß, dass selbst Mozart mit im Boot war, zumindest mit seinem Türkischen Marsch.

Badische Neueste Nachrichten vom 18.12.12